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Greenpeace sieht Wald vor lauter Bäumen nicht16.10.2012

In deutschen Wäldern wachsen mehr Laubbäume als je zuvor. Etwa 70 Prozent der jungen Bäume sind Buchen oder Eichen – und sie werden immer älter. Der von Greenpeace geforderte Einschlagsstopp in alten Buchenwälder ist deshalb kalkulierte Panikmache.

Berlin, 16. Oktober 2012 – „Der Ruf nach einem Einschlagsstopp in alten Buchenwäldern ist reiner Populismus und entbehrt jeder fachlichen Grundlage“, kommentiert Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR), die Forderungen von Greenpeace. Die Organisation kündigte an, die zunehmende Industrialisierung der öffentlichen Wälder am Beispiel des bayerischen Spessarts dokumentieren zu wollen. Greenpeace fordert weiterhin eine sofortige Einstellung der Holznutzung in allen öffentlichen Buchenwäldern, die über 140 Jahre alt sind. Und das so lange, bis zehn Prozent der Staatswaldfläche Bayerns rechtlich verbindlich geschützt sind. „Die Behauptung, der Lebensraum seltener Urwaldarten sei bedroht und gehe durch die Forstwirtschaft unwiederbringlich verloren, ist schlichtweg falsch“, so Ohnesorge weiter. Nachfolgende Fakten sind das Ergebnis der letzten Bundeswaldinventuren. Sie widerlegen anschaulich die Behauptungen von Greenpeace.

Buchenwaldfläche nimmt von allen Laubholzarten am meisten zu

Mit dem verstärkten Anbau von Laubholz in Deutschlands Wäldern geht die Nadelholzfläche kontinuierlich zurück. Die Laubwaldfläche hat nach Ergebnissen der Inventurstudie aus dem Jahr 2008 allein zwischen 2002 bis 2008 um 2 Prozent zugenommen. Damit haben Laubwälder inzwischen einen Anteil von mehr als 43 Prozent an der Gesamtwaldfläche von 11 Millionen Hektar. Die größte Zunahme innerhalb eines Jahrzehnts verzeichneten mit mehr als 83.000 Hektar gerade die in Deutschland angeblich bedrohten Buchenwälder.

Wälder werden immer älter – gleichzeitig steigen die Totholzvorräte

Eine weitere Erkenntnis der Waldinventuren ist, dass unsere Wälder immer älter werden. Dabei nimmt insbesondere die Fläche der alten Buchenwälder im privaten- wie auch im öffentlichen Wald von Jahr zu Jahr zu. Insgesamt ist die Fläche der über 140 Jahre alten Laubwälder mit mehr als 550.000 Hektar 2,5 mal so groß wie die gleichaltriger Nadelwälder. Der für den Erhalt bestimmter Arten bedeutende Totholzanteil stieg ebenfalls an: seit 2002 um 19 Prozent, womit er bereits im Jahr 2008 mehr als 24 Kubikmeter pro Hektar betrug. Das entspricht etwa dem Volumen von sechs abgestorbenen Altbuchen auf einer Fläche von 100 mal 100 Metern. Die Daten der Inventuren zeigen so sehr anschaulich, dass keine Plünderung der wertvollen Altbuchenwälder stattfindet.

Biologische Vielfalt durch Nutzung der Wälder

Entgegen der Behauptung, einzig die Stilllegung großer Waldgebiete führe automatisch zu einer größeren Artenvielfalt, zeigen Untersuchungen, dass in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald die Artenzahl deutlich höher ist. Erst zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen erzeugen vielfältige Strukturen, bringen Licht und Wärme auf den Waldboden und schaffen so günstige Voraussetzungen für ökologische Nischen. Wenn Waldflächen aus der Nutzung genommen werden, profitieren zwar einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Laubholzsägeindustrie – überwiegend spezialisierte kleine und mittelständische Säge-werke – sind auf eine kontinuierliche Versorgung mit Buchenstammholz angewiesen. Ein Einschlagsstopp auf zehn Prozent der Landeswaldfläche würde bedeuten, mehr als 300.000 Hektar aus der Nutzung zu nehmen. „Sollte das auch noch auf Laubholz oder sogar auf Buchenwälder beschränkt werden, wäre das eine existenzielle Bedrohung für unsere Laubholzsägeindustrie“, sagt Ohnesorge. Diese würde dadurch bis zu 50 Prozent – je nach Standort und Einkaufsradius bis 100 Prozent – ihrer Rohstoffbasis verlieren.

Fazit

„Greenpeace instrumentalisiert die Ängste der Menschen vor Klimawandel und Waldzerstörung für seine Zwecke. Damit treiben die Umweltschützer eine Aufspaltung unserer Wälder in Totalschutzzonen und Wirtschaftswald voran – ungeachtet der Erfolge der multifunktionalen Waldbewirtschaftung“, so Ohnesorge. Gleichzeitig verschlafe Greenpeace zusehens, sich konstruktiv in den Dialog um eine möglichst klimaeffiziente Holznutzung einzubringen. Eine Übernutzung der Wälder hat zum Klimawandel beigetragen, eine maßvolle Nutzung unserer Wälder wie sie heute in Deutschland Standard ist, trägt aktiv zum Schutz unseres Klimas bei – jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 75 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch die Verwendung von Holzprodukten eingespart. Das sind mehr als 8,2 Prozent der deutschen CO2-Emissionen.

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