
Waldwirtschaft schafft Natur – Schutz – Wert | Nationalpark Rheinland-Pfalz21.02.2012
Vier Faktoren sprechen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der rheinland-pfälzischen Wälder.
Berlin, 21. Februar 2012 – In Rheinland-Pfalz leistet man sich eine
Debatte, die nach Ansicht des Bundesverbands Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD) nicht mehr zeitgemäß ist: Die Frage nach dem Für und Wider eines Nationalparks. Naturschützer und Politiker wollen in diesem Zusammenhang große Waldflächen aus der nachhaltigen Bewirtschaftung nehmen. Für Lars Schmidt, BSHD-Vizepräsident und studierter Forstwirt, ist das Naturschutz an falscher Stelle. „Gerade die vom Menschen geprägten Kulturlandschaften wie Wirtschaftswälder leisten einen großen Beitrag zum Klima- und Artenschutz“, so Schmidt. Von einer durch umfängliche Holzeinschläge verursachten Entwertung der Wälder könne keine Rede sein.
Er sagt: „Die deutsche Forstwirtschaft gilt weltweit als vorbildlich. Sie sorgt seit Jahrhunderten durch eine sensible und Generationenübergreifende Waldbewirtschaftung für die Verjüngung des Waldes.“ Studien belegen Schmidts Aussage: Aus der letzten Bundeswaldinventur geht hervor, dass Deutschland heute über die höchsten Holzvorräte im europäischen Vergleich verfügt und zudem eine der wenigen Regionen weltweit ist, in der die Waldfläche stetig zunimmt. Den größten Nachteil von Nationalparks erklärt Schmidt so: „Wenn Bäume natürlich absterben, wandelt sich der über viele Jahre gebundene Kohlenstoff im Prozess der Zersetzung wieder in CO2 um und gelangt erneut in die Atmosphäre, ohne das der wertvolle und nachwachsende Rohstoff Holz sinnvoll genutzt wurde.“ Dabei geht es dem Waldexperten um große Flächen, wie sie in Nationalparks vorgesehen sind –
und nicht um vereinzelt abgestorbene Bäume. Der BSHD nennt vier Faktoren, die für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung als aktivste und effizienteste Form des Natur- und Umweltschutzes sprechen.
Faktor 1 – Höhere Artenvielfalt im Wirtschaftswald
Die Stilllegung großer Waldgebiete führt nicht zu einer größeren Artenvielfalt wie häufig argumentiert. Im Gegenteil: Untersuchungen zeigen, dass in einem nachhaltig und naturnah bewirtschafteten Wald die Artenzahl oft deutlich höher ist. Denn zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen bringen Licht in die sonst dunklen Wälder, schaffen vielfältige Strukturen und ökologische Nischen. Die Lebensräume bedrohter Arten werden so durch Deutschlands Förster gepflegt. Wenn Waldflächen aus der Nutzung genommen werden, profitieren zwar einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich. Im Nationalpark im Bayerischen Wald und im Nationalpark Harz hat beispielsweise der Borkenkäfer weite Flächen zerstört.
Stickstoffeinträge und daraus resultierende Vergrasung der Flächen verhindern vermutlich über Jahrzehnte eine flächendeckende Wiederbewaldung. Die Wiederaufforstung
beziehungsweise die Umwandlung der Fichtenwälder zu klimaresistenten Mischwäldern ist zudem durch das Bewirtschaftungsverbot eines Nationalparks nicht möglich.
Faktor 2 – Holznutzung ist gut fürs Klima
Ein großflächiger Nutzungsverzicht von Wäldern wäre paradox. Denn je mehr Produkte aus nachhaltiger und naturnaher Holzwirtschaft genutzt werden, umso mehr wird auch zum Klimaschutz beigetragen. Jedes Holzprodukt bindet das klimaschädliche CO2 über seine gesamte Lebensdauer. Energieintensive Baustoffe wie Stahl oder Beton können durch den nachwachsenden Rohstoff Holz ersetzt werden, was einen hohen Anteil an Primärenergie – und damit CO2 – einspart. Letztendlich gibt es klimafreundliche Energie am Ende eines langen müllfreien Nutzungszeitraums. Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) haben berechnet, dass die Deutschen durch die Verwendung des Bau- und Werkstoffs Holz im vergangenen Jahr rund 75 Millionen Tonnen CO2 einsparten. Durch die energetische Verwertung kamen weitere 30 Millionen Tonnen hinzu. Insgesamt entsprechen diese Einsparungen in einer Gesamthöhe von 105 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr 13 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der Bundesrepublik.
Mit der Begrenzung von Nutzungsflächen lässt sich die Nachfrage allerdings immer weniger aus einheimischen Quellen decken. Die Rohstoffe müssen aus Ländern mit weitaus geringeren Umweltstandards und durch die weiten Transportwege unnötig hohen CO2-Emissionen eingeführt werden.
Faktor 3 – Holz schafft Arbeitsplätze
Mehr als eine Million Menschen leben heute deutschlandweit direkt von der Waldbewirtschaftung und Holzverarbeitung: Waldbesitzer, Waldarbeiter, Förster, Säger, Holzhändler, Holzverarbeiter, Papierhersteller, Tischler, Schreiner und Zimmerer. All diese Berufsgruppen erwirtschaften hohe Nettoerlöse. In der Vergangenheit gewonnene volkswirtschaftliche Erfahrungen zeigen jedoch auf, dass ein Nationalpark diesen Arbeitnehmern nicht nur den Rohstoff entzieht, sondern außerdem den Landeshaushalt mit einem hohen Zuschussbedarf belastet. Beispielsweise liegen die jährlichen Ausgaben bei den bestehenden Nationalparks Bayerischer Wald, Hainich, Kellerwald-Edersee und Harz zwischen 250 und 640 Euro je Hektar. Dem stehen Einnahmen von etwa 100 Euro gegenüber. Während die Menschen der Forst- und Holzwirtschaft ihre Einkommen selbst erwirtschaften, werden die Arbeitsplätze im Nationalpark vom Steuerzahler bezahlt. Ein Nationalpark würde die Region deshalb wirtschaftlich schwächen.
Auch die häufig von Befürwortern angeführten positiven Effekte auf den regionalen Tourismus sind überbewertet. Zahlreiche Studien belegen sogar einen Rückgang der Übernachtungszahlen in den meisten Nationalparkregionen.
Faktor 4 – Freier Zugang für alle
Wenn nicht gerade geerntete Stämme am Wegrand liegen, wird ein Wirtschaftswald selten als solcher wahrgenommen. Im Gegenteil: Viele Besucher fühlen sich in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald wohler als in einem sich selbst überlassenen Waldgebiet. Wenn es nach den Verordnungen bestehender Nationalparks geht, können Waldbesucher diesen Vergleich nicht einmal anstellen. Denn das Betreten des Nationalparks ist in der Regel nur noch auf dafür gekennzeichneten Wegen gestattet und größere Wandergruppen dürfen lediglich mit Genehmigung der Nationalparkverwaltung in das Gebiet. Waldprodukte wie beispielsweise Beeren, Pilze, Schmuckreisig und vor allem Brennholz können aus den im Kerngebiet liegenden Gebieten nicht mehr genutzt werden. Viele Wege werden ganz gesperrt oder sogar unter hohen Kosten zurückgebaut.
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